Die EU hat sich im Frühjahr 2026 auf ein neues, rechtlich verbindliches Zwischenziel geeinigt: Bis 2040 sollen die Netto‑Treibhausgasemissionen um 90% gegenüber 1990 sinken. Damit wird der Pfad von den heutigen „Fit‑for‑55“‑Zielen 2030 hin zur Klimaneutralität 2050 deutlich nachgeschärft – mit direkten Folgen für Politik, Wirtschaft und Investitionen in ganz Europa.
Für Unternehmen in Österreich bedeutet dieses Ziel vor allem eines: mehr Planungssicherheit, aber auch mehr Tempo bei Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Berichterstattung. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, was das neue 2040‑Ziel vorsieht, warum es jetzt kommt – und was heimische Betriebe konkret tun müssen.
Der europäische Gesetzgeber hat das EU‑Klimagesetz geändert und ein neues, verbindliches 2040‑Ziel verankert: eine Reduktion der Netto‑Emissionen um 90% gegenüber 1990.
Mindestens 85 Prozentpunkte dieser Minderung müssen innerhalb der EU selbst erbracht werden; bis zu 5 Prozentpunkte können ab 2036 über „hochwertige“ internationale CO₂‑Gutschriften aus Partnerländern erfolgen.
Das 2040‑Ziel ergänzt das bestehende 55‑Prozent‑Ziel bis 2030 und den Endpunkt Klimaneutralität 2050 und schafft so einen durchgehenden, rechtlich abgesicherten Reduktionspfad.
Die EU‑Institutionen betonen, dass dieses Ziel Investoren und Unternehmen die langfristige Klarheit geben soll, die sie für große Transformationsentscheidungen – etwa in Energie, Industrie und Verkehr – brauchen.
Der Weltklimarat (IPCC) zeigt, dass für eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad bereits in den 2030er‑ und 2040er‑Jahren massive Emissionsrückgänge in Industrieregionen nötig sind.
Gleichzeitig will die EU ihre Energieabhängigkeit reduzieren, Wettbewerbsfähigkeit sichern und sich als Leitmarkt für klimaneutrale Technologien positionieren.
Schon 2025 hatten über 150 Unternehmen und Investoren die EU aufgefordert, ein klares 2040‑Ziel von mindestens 90% Reduktion festzulegen, um Planungssicherheit und Investitionssignale zu verbessern.
Das neue Ziel ist also nicht nur Klimapolitik, sondern auch Industrie‑ und Standortpolitik – mit der Botschaft: Wer früh in klimafreundliche Technologien investiert, wird langfristig profitieren
Die genaue Aufteilung der Lasten und Maßnahmen erfolgt in den nächsten Jahren über Fachgesetze und nationale Pläne, aber die Richtung ist bereits erkennbar:
Schärfere Reduktionspfade im EU‑Emissionshandel (ETS) für Industrie und Stromerzeugung.
Ein höherer Beitrag von Erneuerbaren und Energieeffizienz im Wärme‑ und Verkehrssektor.
Fortschreibung und Anpassung von Instrumenten wie CBAM, Energie‑ und Effizienzrichtlinien, CO₂‑Standards für Fahrzeuge usw.
Stärkere Rolle von Kohlenstoffsenken und negativen Emissionen, etwa in Landnutzung und durch neue Technologien zur CO₂‑Entnahme.
Gleichzeitig sieht das geänderte Klimagesetz regelmäßige Fortschrittsberichte und eine mögliche Überprüfung des 2040‑Ziels vor, um auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Entwicklungen reagieren zu können.
Für österreichische Betriebe – vom energieintensiven Industriebetrieb bis zum KMU – bedeutet das 2040‑Ziel vor allem beschleunigten Handlungsdruck, aber auch Chancen:
1. Langfristiger CO₂‑Preis- und Regulierungsdruck
Unternehmen müssen davon ausgehen, dass CO₂‑Preise im EU‑ETS weiter steigen und zusätzliche Sektoren erfasst oder verschärft werden.
Alle langfristigen Investitionen (Gebäude, Anlagen, Fuhrpark) sollten heute schon auf ein 2040‑Szenario ausgerichtet werden, nicht nur auf 2030.
2. Dekarbonisierungs‑ und Energieeffizienzstrategien sind Pflicht, nicht Kür
Betriebe sollten klare Dekarbonisierungs‑Roadmaps entwickeln: Welche Emissionen können durch Effizienz, Prozessumstellung, Elektrifizierung, erneuerbare Wärme oder alternative Rohstoffe reduziert werden – und bis wann?
Lieferketten rücken stärker in den Fokus: Durch CBAM, Entwaldungsverordnung und zukünftige Klimavorgaben steigt der Druck, auch Vorprodukte emissionsärmer zu beziehen.
3. Finanzierung & Förderungen gezielter nutzen
Banken und Investoren orientieren sich zunehmend an EU‑Klimazielen und Taxonomie; Geschäftsmodelle ohne glaubwürdigen Übergangsplan werden schwerer finanzierbar.
Österreichische Unternehmen sollten verfügbare Förderprogramme für Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und Forschung systematisch nutzen, um Transformationskosten abzufedern.
4. Reporting- und Transparenzanforderungen steigen
Mit CSRD, ESRS und weiteren Offenlegungspflichten gewinnen Klimaziele, Übergangspläne und Emissionsdaten an rechtlicher und marktwirtschaftlicher Relevanz.
Unternehmen brauchen belastbare CO₂‑Bilanzen (Scopes 1–3), um Risiken zu managen, Kundenvorgaben zu erfüllen und gegenüber Investoren glaubwürdig zu bleiben.
Ein praxisnaher Einstieg für Unternehmen – unabhängig von der Größe – könnte so aussehen:
Ist‑Analyse der Emissionen
Erfassung der eigenen Treibhausgasemissionen (Scopes 1 und 2, soweit möglich auch 3).
Identifikation der emissionsintensivsten Standorte, Anlagen, Produkte und Lieferanten.
Ziele & Roadmap bis 2040 definieren
Festlegung von Zwischenzielen für 2030, 2035 und 2040 im Einklang mit dem EU‑Pfad.
Entwicklung einer Transformations‑Roadmap (Effizienz, Erneuerbare, alternative Prozesse, Kreislaufwirtschaft).
Investitionsentscheidungen anpassen
Neue Investitionen systematisch auf „Fit‑für‑2040“ prüfen (CO₂‑Kosten, Energieträger, Lebensdauer).
Nutzung von Förderungen und grünen Finanzierungsinstrumenten für klimafreundliche Projekte.
Lieferketten und Produkte klimafit machen
Integration von Klimakriterien in Einkauf und Lieferantenbewertungen (z.B. CO₂‑Fußabdruck von Vorprodukten).
Entwicklung emissionsärmerer Produkte und Services, um sich im Binnenmarkt und international zu differenzieren.
Reporting & Kommunikation professionalisieren
Aufbau von Strukturen für ESG‑Reporting und Szenarioanalysen (z.B. 1,5‑Grad‑Pfad).
Transparente Kommunikation gegenüber Kund:innen, Mitarbeitenden und Investoren, wie das Unternehmen seinen Beitrag zum 2040‑Ziel leistet.
© Text-Quellen:
EU‑Parlament: „EU climate law: a 2040 emissions reduction target of 90% for the EU“ (Presseaussendung).
https://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20260205IPR33620/eu-climate-law-a-2040-emissions-reduction-target-of-90-for-the-eu
Reuters: „EU countries give final approval to 2040 climate target for 90% emissions cut“.
https://www.reuters.com/sustainability/cop/eu-countries-give-final-approval-2040-climate-target-90-emissions-cut-2026-03-05/
Anadolu Agency: „EU approves 90% greenhouse gas emissions cut by 2040“.
https://www.aa.com.tr/en/europe/eu-approves-90-greenhouse-gas-emissions-cut-by-2040/3852938
EuroMetal / Berichte zum politischen Kompromiss zum 2040‑Ziel unter dem revidierten Klimagesetz.
https://eurometal.net/eu-agrees-on-90-emissions-reduction-target-for-2040-under-revised-climate-law/
Carbon Gap Tracker: „EU 2040 Climate Targets: Emissions Reduction & Carbon Removal“.
https://tracker.carbongap.org/policy/2040-targets/
We Mean Business Coalition: „Business backs bold EU climate targets“.
https://www.wemeanbusinesscoalition.org/blog/business-backs-bold-eu-climate-targets/
State of Green: „Why businesses must embrace Europe’s 2040 climate target“.
https://stateofgreen.com/en/news/why-businesses-must-embrace-europes-2040-climate-target/
Europäische Kommission: Europäisches Klimagesetz – Überblick über Ziele 2030/2050 und Rechtsrahmen.
https://climate.ec.europa.eu/eu-action/european-climate-law_en
Hintergrund zu Green Deal und Governance der Energieunion & Klimapolitik.
https://www.europarl.europa.eu/legislative-train/theme-a-new-plan-for-europe-s-sustainable-prosperity-and-competitiveness/file-revision-of-the-governance-of-the-energy-union-and-climate-action-regulation
https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/european-green-deal_en
Zu ESG‑Reporting‑Pflichten und 2026‑„Reset“ der Nachhaltigkeitsregeln.
https://www.iss-corporate.com/resources/blog/eu-sustainability-rules-reset-what-the-2026-changes-mean/
https://www.clearygottlieb.com/news-and-insights/publication-listing/climate-energy-eu-policy-regulation-update-2026-01-07
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